Verlassene Schuhe, bleibende Geschichten

Schuhe auf dem Berg

Verlassene Schuhe auf farbener Stille – ein Symbol von Flucht, Verlust und Hoffnung. Zwischen zarter Farbe und schwerer Erinnerung verweben sich Spuren des Lebens zu einem stillen Zeugnis aus Sindschar.

Verlassene Schuhe, bleibende Geschichten

„Schuhe auf dem Berg“ – Eine Kunstausstellung aus dem Gedächtnis von Sindschar

Rückkehr in eine zerrissene Heimat

Nach fünfzehn Jahren der Abwesenheit kehrte ich in meine Heimatstadt Sindschar im Irak zurück –
eine Stadt, die von Trauer, Widerstandskraft und verbliebener Hoffnung geprägt ist.

Ich kam nicht nur als Besucher zurück,
sondern als Künstler, der das dokumentieren möchte,
was Worte allein nicht ausdrücken können
der das Unsagbare sichtbar machen will.

Die Entdeckung im Gebirge

Im April 2025 bestieg ich gemeinsam mit Freunden aus der Kindheit den Gipfel des Sindschar-Gebirges
jener Ort, der einst ein letzter Zufluchtsort während des Völkermordes durch den IS am 3. August 2014 war.

Der Morgen dieses Tages markierte den Beginn einer Tragödie:
Tausende Unschuldige mussten fliehen – und alles zurücklassen,
sogar ihre Schuhe.

Zwischen Felsen und den zerbrochenen Spuren der Vergangenheit entdeckte ich den Schuh eines kleinen Kindes.
Die Zeit schien stillzustehen.
Es war nicht nur ein abgenutztes Stück Stoff und Leder –
es war ein unterbrochenes Leben,
eine nicht erzählte Geschichte.

In diesem Moment wurde die Idee für die Ausstellung geboren.

Symbole des Lebens

Diese Schuhe werden nicht als bloße Relikte präsentiert,
sondern als kraftvolle Symbole.

Jeder wird zum Mittelpunkt eines Kunstwerks,
begleitet von Tonaufnahmen und Videointerviews mit Überlebenden.

Die Ausstellung richtet sich an ein breites Publikum –
besonders an die jesidische Diaspora
und versteht sich als visuelles und menschliches Dokument gegen das Vergessen.

Kunst als Zeugnis und Heilung

Ich bin überzeugt:

Wahre Kunst beschönigt nicht – sie stellt sich, dokumentiert und heilt.

Aus der Stille der Natur
und den einfachsten Materialien
kann ein Künstler eine neue Sprache formen –
eine, die über Worte hinausgeht
und in dunklen Zeiten ein Fenster der Hoffnung öffnet.

Ein lebendiges Zeugnis

„Schuhe auf dem Berg“ ist mehr als nur eine Ausstellung –
es ist ein lebendiges Zeugnis,
ein menschlicher Appell
und ein künstlerischer Beitrag zum Erhalt des kollektiven Gedächtnisses.

Presse